Werden Sie eine stabile Bezugsperson für Kinder in alkoholbelasteten Familien
Dieses Ersuchen ist an alle Personen gerichtet, die Zugang zu betroffenen Kindern alkoholbelasteter Familien haben – Omas, Opas, Tanten, Onkeln, Nachbarn, Lehrer, Mitarbeiter sozialer Einrichtungen, Mitglieder von Vereinen (Trainer etc.) usw.: Helfen Sie, den derzeit häufig vorherbestimmten Weg der Kinder in und aus Alkoholikerfamilien zum Besseren zu ändern – vielleicht sind genau Sie in der Lage dazu. Sie können erklären, aufklären und eine wirklich hilfreiche Unterstützung für diese Kinder sein. Auf dieser Website erhalten Sie umfangreiche Informationen, um zukünftig im Umgang mit betroffenen kleinen Kindern (hoffentlich) besser handeln zu können. Denn für manche dieser Kinder ist ohne Ihre Unterstützung außerhalb ihres Familiensystems oft ein Leidensweg vorprogrammiert, den sie ihr ganzes Leben lang gehen (müssen).
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Die betroffenen Eltern – selbst ein nicht suchtabhängiger Elternteil – dieser Kinder sind im Sog der Familienkrankheit Alkoholismus gefangen und können ihrem Nachwuchs häufig keine längerfristige Stabilität geben. Es ist an der Zeit, sich um diese Kinder zu kümmern. Sie leiden und sie dürfen es nicht zeigen. Sie ERleiden Verletzungen an Körper und Seele, die oft ihr ganzes Leben prägen. Es dringen noch immer viel zu wenige Informationen an die Öffentlichkeit. Dabei ist es gerade das soziale Umfeld solcher Familien, welches (als beständige Bezugsperson) handeln und diese Kinder unterstützen kann.

Bitte. Schauen. Sie. Nicht. Mehr. Weg.
Es geht auch Sie etwas an. Sie können viel tun. Sie können Vieles richtig machen.
Mit Ihnen an ihrer Seite, können es die betroffenen Kinder schaffen.

Ein wunderbares Lied – KidKit-Allstars feat. dichterliebe – Komm, wir schaffen das! Mit einem Vorwort von LeFloid:

Das Einmischen
Es ist als Bezugsperson nicht notwendig, sich in das Familiensystem Alkohol „einzumischen“. Es bedarf sehr viel Vertrauen, dieses Tabuthema anzusprechen. In Bezug auf ein betroffenes Kind ist es sogar ein doppeltes Tabuthema, denn neben der Sucht selber ist es in solchen Familien oberstes Gebot, dass nichts nach außen dringen darf. Machen Sie sich bewusst, dass Sie so einem Kind schon damit unendlich helfen können, indem Sie einfach da sind, einen liebevollen, wohlwollenden und stabilen Umgang pflegen, das Kind ernst nehmen und ihm das ehrliche Gefühl vermitteln, dass es bei Ihnen gut aufgehoben und sicher ist. So wird es mit der Zeit immer mehr Vertrauen zu Ihnen aufbauen können.

Das Kind sein dürfen
Wenn Sie ein betroffenes Kind unterstützen wollen, seien Sie ganz einfach da. „Sehen“ Sie dieses Kind, schenken Sie ihm Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit. In der suchtbelasteten Familie wird es von seinen Eltern häufig „übersehen“, da der abhängige Elternteil mit seiner Sucht und der nicht abhängige Elternteil damit beschäftigt ist, das gesamte System irgendwie am Laufen zu halten. Lassen Sie so ein Kind einfach Kind sein, lassen Sie es ausgelassen sein, lassen Sie es spielen und geben Sie ihm dabei das Gefühl von Vertrauen, Sicherheit und Entspannung. Bedenken Sie jedoch, dass es für ein betroffenes Kind sehr wichtig ist, dass Sie eine wirklich beständige Bezugsperson sind. Denn eine intensive und nur kurz andauernde Aufmerksamkeit kann bei abrupter Beendigung mehr Schaden als Hilfe sein.

Das Ansprechen der Suchterkrankung
Um die Suchterkrankung ansprechen zu können, sollten Sie bereits ein sehr intensives Vertrauensverhältnis zum betroffenen Kind aufgebaut haben. Nach Möglichkeit sollten Sie abwarten, bis es von sich aus auf Sie zukommt, denn es erfordert extrem viel Mut, etwas an- und auszusprechen. Kinder sind ihren Eltern gegenüber völlig loyal, egal, wie sehr sie selber leiden müssen. Ein erzwungenes Sprechen müssen könnte ein betroffenes Kind in einen tiefen Loyalitätskonflikt stürzen, da es noch dazu Familiengesetz ist, über sämtliche Vorfälle innerhalb des Familiensystems nichts nach außen dringen zu lassen. Wenn Sie dieses wohlgehütete Familiengeheimnis der Alkoholsucht einfach ansprechen, kann es sein, dass das Kind aus Loyalität zu den Eltern leugnet oder auch den Kontakt von sich aus zu Ihnen abbricht. Seien Sie bitte einfach geduldig, seien Sie beständig, seien Sie vertrauensvoll. Nur wenn sich ein betroffenes Kind bei Ihnen absolut sicher und wirklich verstanden fühlt, wird es sich Ihnen gegenüber schrittweise öffnen können. Geben Sie dem Kind immer wieder folgende wichtige Informationen:

  • ich bin für dich da
  • ich kümmere mich um dich
  • du darfst deine Kontrolle abgeben
  • du brauchst keine Angst zu haben
  • du brauchst dich für nichts schämen
  • du darfst mir von deinen Ängsten und Sorgen erzählen
  • du darfst jetzt Kind sein
  • du darfst dein „Kind sein“ ausleben
  • ich bin für dich da und du bist nicht mehr allein
  • du bist wundervoll, wie du bist und du darfst dich selber lieb haben

Wenn ein betroffenes Kind Ihnen gegenüber aus dem erkrankten Familiensystem erzählt, sollten Sie versuchen, dem Kind behutsam und immer wieder (denn nur so kann ein Kind dies auch verinnerlichen und beginnen, tatsächlich daran zu glauben) zu erklären:

  • dass es selbst völlig in Ordnung ist
  • dass es völlig unschuldig ist an der familiären Situation
  • dass es durch sein Verhalten nichts besser oder schlechter machen kann
  • dass es sich für nichts schämen muss
  • dass es über seine Ängste und Sorgen reden darf und dass dies keinesfalls ein Verrat am alkoholbelasteten Elternteil ist
  • dass ihr/sein Elternteil große Probleme mit Alkohol hat und dies eine Krankheit ist
  • dass häufig extreme Stimmungsschwankungen der Eltern Teil der Krankheit sind
  • dass diese Situation etwas ist, welches die Erwachsenen nur selber lösen können
  • dass es seine einzige Aufgabe ist, Kind zu sein, sein Leben zu leben und nur für sich selber verantwortlich ist

Dieser Bedarf sollte – muss – endlich gesehen werden. An dieser Stelle muss angesetzt und endlich gehandelt werden, denn so kann für viele dieser Kinder mögliches Leid im späteren Erwachsenenleben verringert werden oder ihnen sogar erspart bleiben. Es ist eine große Chance für diese Kinder, endlich frei zu werden, Kind sein zu dürfen; sich entfalten und zu einer stabilen Persönlichkeit entwickeln zu können.

Versuchen Sie auch, den Fokus zu verändern
Der Fokus der Kinder und des co-abhängigen Elternteils ist ständig auf den alkoholbelasteten Elternteil ausgerichtet. Sie können/sollten versuchen, den Fokus des co-abhängigen Elternteils und der Kinder auf sich selbst und auf sich gegenseitig zu lenken.
Ermutigen Sie die Beteiligten, mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten, über ihre Befindlichkeiten zu sprechen und bei Bedarf auch weitere Unterstützung anzunehmen. Stellen, an die sich Interessierte und Betroffene wenden können, finden Sie unter: >Die Empfehlungen

In den sozialen Einrichtungen sind den Mitarbeitern (leider noch viel zu oft) die Hände gebunden, da sie nur nach Auftragserteilung handeln dürfen – doch in wie vielen Fällen werden betroffene Eltern oder Kinder selbst einen solchen Auftrag erteilen? Auch hier wird wohl dringend ein Umdenken vonnöten sein, um diese Kinder wirklich unterstützen zu können.

… Es ist an der Zeit, diese belastete Klientel in der (Musik)therapie zur Kenntnis zu nehmen und sich aus therapeutischer Sicht nicht länger der „Es ist nichts“-Haltung alkoholbelasteter Familien anzuschließen. Dabei werden uns andere und neue Erfordernisse einholen. Es wird nicht reichen, auf verbal explizit geäußerte Notwendigkeiten zu reagieren, auf explizite Aufträge zu warten. Von in sich und ihrem Tabu gefangenen Eltern und Kindern werden wir selten einen klar formulierten Arbeitsauftrag vernehmen. (Waltraut Barnowski-Geiser, Hören, was niemand sieht, S. 21)

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