Erwachsene Kinder aus alkoholbelasteten Familien entwickeln häufig ganz besondere Stärken. Diese werden leider noch viel zu selten aufgezeigt (noch immer Defizit statt Ressource?) und finden daher auf dieser Website auf jeden Fall ihren Platz.

Das Durchhaltevermögen
Haben erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien zu etwas einmal wirklich Vertrauen gefasst, dann hält sie nichts mehr auf. Wo andere längst aufgeben, beißen sie die Zähne zusammen und machen weiter. Dies trifft besonders auf Kinder zu, die im Familiensystem beim Meistern von Krisen immer wieder einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Nach dem Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht“ machen Kinder aus Suchtfamilien so oft Unmögliches möglich.

Die Belastbarkeit
Erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien können außergewöhnliche Belastungen in hohem Maße tragen und auch bewältigen. Schwerste Krisen, die sie mit anderen durchstehen oder auch große Erfolge – sie leisten oft Unglaubliches und halten dies für nichts Erwähnenswertes, denn das Ausmaß, was sie schaffen, ist ihnen gar nicht bewusst. Sie zeigen eine hohe Bereitwilligkeit, Schwierigkeiten anzugehen, die anderen Menschen oft Angst machen. Auch besonderen Mut können sie ihr eigen nennen. Dieser muss jedoch oft erst ausgegraben werden – mit der Unterstützung wohlwollender Menschen kann dies sehr gut gelingen.

Die Feinfühligkeit
Häufig wissen erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien ganz genau und oft sogar früher, was andere brauchen. Sie entwickeln sich sehr oft zu kompetenten Menschenkennern. Es wird vermutet, dass sich bei ihnen die Spiegelneuronen (diese sind die Grundlage unseres Mitgefühls für andere Menschen) für ganz besonders gut ausgebildet haben. Diese Sensibilität wird für Betroffene oft auch als anstrengend empfunden (auch das sogenannte „Bauchgefühl“ meldet sich sehr häufig). Doch dies ergibt auch eine sehr hohe soziale Kompetenz und die erwachsenen Kinder haben die Gabe, schwierige Menschen anzuleiten und/oder ungewöhnliche Gruppenkonstellationen zu managen.

Die Treue
Behandelt sie gut und sie werden eure treuesten Freunde sein. Viele erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien zeichnen sich dadurch aus, dass sie äußerst treue Wegbegleiter sind. Sie wissen um die Macken ihrer Freunde und haben sie ihnen gegenüber erst einmal ihr Herz geöffnet, verzeihen sie meist viel. Sehr konsequent sind sie allerdings auch bei großer Enttäuschung – haben sie ihr Herz verschlossen, bleiben sie dieser Entscheidung ebenfalls treu.

Die soziale Kompetenz
Kinder in Alkoholikerfamilien haben häufig nur außerhalb des Familienkreises die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Da sie schon früh gelernt haben, mit schwierigen Menschen umzugehen, verfügen sie im späteren Erwachsenenleben über hohe integrative Fähigkeiten und vermögen Menschen, die sich mit anderen schwer tun, einzubinden und mit einzubeziehen.

Die Flexibilität
Kinder in Alkoholikerfamilien müssen sich immer wieder auf neue, sich oft schnell ändernde Situationen einstellen. Nichts ist sicher und sie müssen häufig täglich neue Krisen bewältigen. Sie entwickeln in einem hohen Maß die Fähigkeit, sich schnell auf Überraschendes und Unerwartetes einzustellen, schnell geeignete Lösungen zu finden und selbst schwierige Dinge in den Griff zu bekommen. Hier ist häufig auch Kreativität gefragt. Oft sind diese Kinder künstlerisch begabt und mit diesen Fähigkeiten können sie sehr erfolgreich sein – sie dürfen sich nur durch kleine Fehler nicht selbst entwerten.

Die Stimmungen
Kinder in und aus Alkoholikerfamilien besitzen eine besondere Antenne für Stimmungen anderer Menschen und können sich sehr gut auf sie einstellen. Dies kommt ihnen bei Freundschaften und Beziehungen, aber auch im beruflichen Kontext, in denen diese Eigenschaften gefragt sind, zugute. So eignen sich erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien häufig gut für Berufe im gesundheitlichen, therapeutischen und sozialen Bereich.

Der Humor
Dank ihres großen Einfühlungsvermögens wissen Kinder aus Alkoholikerfamilien häufig sehr genau, was ihr Gegenüber gerade braucht. So wie sie als Kinder oftmals versucht haben, ihre Familie aufzuheitern, tun sie das auch als Erwachsene  – dies kann eine Quelle großer Lebensfreude für Betroffene und andere sein. Wenn alles in Schutt und Asche liegt, kann ein erwachsenes Kind häufig im nächsten Moment schallend über etwas lachen. Nachweislich werden beim Lachen Glückshormone freigesetzt und dies ist eine äußerst gelungene Lösung für ihre Gesunderhaltung.

Bezugsquellen: Buch: Vater, Mutter, Sucht von Waltraut Barnowski-Geiser, S. 41–49/A-Connect e.V./www.psychologie.uni-heidelberg.de

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Foto: © Ulleo/pixabay